Ich sach ma: Hallöchen! Heute mal wieder ein Eintrag, eine kleine Zeitreise und eine Erklärung zu einem der wichtigsten jüdischen Feste.
Vom 15. bis zum 22. des jüdischen Monats Nissan wird in Israel und in den jüdischen Gemeinden der Diaspora, Pessach gefeiert. Das ist dieses Jahr vom 20. – 27. April. Pessach wird oft als das „jüdische Ostern“ bezeichnet. Tatsächlich wurde Jesus zu Pessach gekreuzigt, weshalb die Christen zu dieser Jahreszeit Ostern feiern, aber ansonsten haben die beiden Feste nun so gar nichts miteinander zu tun.
Die Juden gedenken an Pessach an die Zeit, als Moses mit den Hebräern aus Ägypten vertrieben wurde (let my people go), und sich aus diesem Anlass allerlei Wundersames zutrug. Der Pharao wollte nun also Moses People not go lassen, so sehr Moses und seine Atze Aaron auch bettelten.

Diese Ungeheuerlichkeit veranlasste Gott seinen Todesengel zu schicken und ihn alles Erstgeborenen des Landes töten zu lassen. Seinem Kumpel Moses verriet er einen Trick wie er sich und seine Leute von diesem Fluch schützen konnte. Sie sollen ein Lamm schlachten, einen Ysopzweig in das Opferblut tauchen und mit diesem ein Zeichen am Türrahmen ihrer Häuser anbringen. (Bibelstelle nachzulesen hier)


Das klappte auch ganz gut und der Todesengel brachte nur die ägyptischen Erstgeborenen um die Ecke. Als die Ägypter aufwachten, alle ihre Erstgeborenen tot fanden, während die jüdischen Bälger putzmunter waren, fiel ihnen selbstverständlich auf, dass da was nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann und waren entsprechend sauer. Für Moses und sein Volk hieß dass Hackengas zu geben und aus Ägypten zu fliehen. Das musste derart schnell gehen, dass keine Zeit für großartige Vorbereitungen blieb, z.B. das gebackene Brot säuern zu lassen, sondern sofort aufzubrechen. Daher isst man zu Pessach keine gesäuerten Brote, bzw. überhaupt keine gesäuerten Speisen.
Auf der beschwerlichen Reise von Ägypten ins gelobte Land tragen sich dann so Klassiker der Bibel, wie die Teilung des Meeres und die Gabe der zehn Gebote auf dem Berg Sinai zu.

Soviel zum Ursprung des Festes. Heute ist Pessach noch mehr als die anderen jüdischen Feste, ein Familienfeiertag. Morgen Abend am Shabbat werden sich die meisten Familien bei Oma, Opa, Onkel oder Tante versammeln und das Seder abhalten. Das Seder ist das traditionelle Mahl das zu Pessach zubereitet wird. Das besondere ist, dass alle Speisen in einer bestimmten Reihenfolge gegessen werden, während man Teile der Exodusgeschichte liest. Dieser Text wird Haggadah genannt. Viele Familien haben ihre eigene Haggadah (Hauptsächlich weil das Seder Stunden dauert wenn man sich an den traditionellen Ablauf hält). Wann immer im Text eine der Speisen auftaucht, wird diese gegessen und zwischendurch vier Becher Wein getrunken, bis die ganze Familie satt, müde und/oder betrunken ist.
Wie bei so vielen Gelegenheiten in Israel, wirkt es, zumindest für mich, immer etwas schrullig wenn Vergangenheit und Moderne zusammenprallen und Bibeltexte große Auswirkung auf das Alltagsleben haben. Ich dachte z.B. dass man heute (Freitag) noch gesäuerte Speisen kaufen könnte (generell fallen alle Lebensmittel darunter in denen Weizen, Roggen, Hafer, Gerste und Dinkel enthalten sind). Aber offensichtlich fängt das schon ein paar Tage vorher an und so ist meine Speisekammer recht leer. Es gibt Milch, aber keine Cornflakes. Humus aber kein Brot. Tomatensoße aber keine Nudeln und generell keinen Alkohol außer Wein. Im Supermarkt sieht dass echt lustig aus, weil die verbotenen Speisen und Getränke mit weißen Plastikplanen verdeckt werden.

Meine ganz persönliche Lösung: Eine Woche lang Erbsenrisotto und Eistee. Prost!
Sehr schöner Eintrag!
Von: enno am April 22, 2008
um 11:51
Geil, ich liebe deinen Blog. Du schreibst immer so erfrischend da macht sogar Religionsunterricht Spaß.
(Klassiker der Bibel)
Du musst unbedingt mal ein Buch verfassen, ein lustiges ich kaufs bestimmt.
Von: pierre am April 23, 2008
um 9:39