Verfasst von: bastitelaviv | März 24, 2008

Para Puru…Purim

 

Heute mal wieder etwas von Allem: Kultur, Religion und Geschichte. Aber keine Sorge: Es wird alles andere als langweilig, denn am 14. des jüdischen Monats Adar, was dieses Jahr mit dem Osterwochenende zusammenfiel, wird in Israel Purim gefeiert. Purim ist sowas wie der jüdische Fasching.

Die Menschen verkleiden sich, wie beim deutschen Fasching, schenken sich gegenseitig Süßigkeiten, davon mindestens zwei selbst gemachte, und tanzen und feiern auf den Straßen. Die Lieder sind wohl auch recht ähnlich, aber Gott sei Dank kann ich den Text meistens nicht verstehen, was den Fasching daheim um einiges erträglicher machen würde. Ich muss meiner Schande gestehen, dass ich mich nicht wirklich verkleidet habe, nur mit Sonnenbrille und Papphutspektive Glitzerkram in den Haaren.

Das Fest basiert auf dem biblischen Buch Esther. Der fiese Haman, Provinzherrscher in Babylon, versuchte einst, während des babylonischen Exils, alle Juden umzubringen. Doch die schöne Prinzessin Esther konnte den persischen König dazu bringen Haman von seinem Schändlichen vorhaben abzubringen und selbigen seines Denkorgans zu entledigen. Aus Dankbarkeit für diese Rettung wurde erst gefastet und dann umso heftiger gefeiert. In den Synagogen geht es an Purim auch wilder zu als sonst schon. Immer wenn der Name Haman in der Lesung des Textes fällt, wird gebuht, gezischt oder mit Rasseln gerasselt.

Aber zu Purim gehört noch etwas, was es in anderen Religionen so nicht gibt. Religiös verordnete Trunkenheit. Der Sinn dahinter ist, dass man der wahrhaft Gläubige auch dann noch zu seinem Gott steht wenn er komplett abgedichtet ist. Praktisch bedeutet dass, das die Leute sich exzessiv einen hinter die Binde gießen, je mehr desto besser, um zu beweisen dass sie wahrhaft gläubig sind. Dementsprechend heiter geht es deshalb auf Purim-Partys auch zu. Ein sehr schöner Vorwand übrigens. Kassiererin fragt, auf eine große Menge Vodka im Korb blickend: „Na du willst wohl beweisen das du sehr glaubensfest bist, wie?“ „Ähhhh…was? Ach so! Ja genau! NUR darum geht’s mir heute!“

Also die Pferde gesattelt und nach Tel Avivs Kreuzberg (Florentin) gefahren, was sich an Purim in eine einzige Riesen Faschingsparty verwandelt.

So ging das das ganze Wochenende und am Morgen bewies mir das Dröhnen von Vorschlaghämmern in meinem Kopf dass ich offensichtlich zu den Gläubigeren unter uns gehöre…

Am Schluss noch ein kurzes Video von der Strassenparty


Antworten

  1. tel aviv alaaf!
    gehört denn der bart auch zu deiner verkleidung?

    grüße aus der kälte.

  2. Der Bart ist doch angemalt (?!?!)
    Und mir ist auch kalt!


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