Verfasst von: bastitelaviv | Januar 5, 2008

in die Wüste…

Yippi Kay Yay Schweinebacken! Die heutige Wortmeldung hat den sonnigen, sandigen Süden Israels zum Thema. Es war mal wieder an der Zeit eine der berüchtigten Overseas Students Klassenfahrten anzuzetteln. Es war wieder alles vertreten: Gruppenaktivitäten, singen, wandern und den kleinen Pfadfinder in uns allen zum Leben erwecken.

Mitte Dezember, wenn der vernünftige Europäer seine Weihnachtseinkäufe erledigt hat und sich ansonsten fragt was er in dieser Kälte draußen rumrennen muss, hab ich meine paar dünnen T-Shirts und Jäckchen gepackt und den Bus in Richtung Negev-Wüste bestiegen. Die Negev macht mehr als die Hälfte Israels aus und ist nach Meinung unseres Tourguides „der feuchte Traum eines jeden Geologen“.

Wo man auch hintritt war vor ein paar Millionen Jahren ein Ur-Ozean, wahrscheinlich gefüllt mit bizarren Fischen die Lampen auf den Köpfen tragen; Für den normalen Beobachter aber schlicht Sand wohin das Auge blickt.

Der erste Tag hielt eine Wanderung in einem ausgetrockneten Fluss parat. Natürlich ausgetrocknet – ist ja schließlich Wüste, aber denkste… 1x im Jahr verwandelt sich das Tal in einen reißenden Fluss und trockene Klippen in Wasserfälle, doch während wir da waren verhielt sich alles sehr Wüstengerecht.

Nur die Kampfjets, der nahegelegenen Airforce Basis, die da ihre Tiefflüge üben haben nich so ganz ins Bild gepasst. Anschließend mussten wir schnell zu unserer Unterkunft, mal wieder im Kibbuz, damit die Gläubigen unter uns vor Sonnenuntergang vor Shabbat, nicht mehr Entfernung zurücklegen müssen als sie dürfen. Abends stand „Surprise“ auf dem Reiseplan, was schlimme Gruppenaktivität bedeutet. Eine „World-Music Band“ spielte für uns und alle mussten mitmachen, trommeln, bauchtanzen usw. – War sehr amüsant. Danach hatte noch der Kibbuz-Pub geöffnet. Die hatten offensichtlich erwartet hunderte von trinkfesten Collegestudenten zu beherbergen und einen DJ bestellt, der eine riesige Tanzfläche bespielte. Dummerweise waren alle so fertig von Fahrt und Wanderung, dass die meisten nach einem Schlummertrunk gleich ins Bett gegangen sind. Der Rest war draußen und hat sich den Sternschnuppen-Schauer angeguckt.

Am nächsten Tag stand wieder eine Wanderung auf dem Programm. Ein Millionen Jahre alter Krater musste unter unsere Fußtritten leiden. Danach gings auf eine Alpaca-Farm die ein paar tierliebe Israelis aus Peru hierher importiert haben. Alpacas sind grundsätzlich Lamas, können aber nicht so viel schleppen, sind für ihre Wolle berühmt und tragen einen unglaublich dämlichen Gesichtsausdruck durch die Gegend.

Abends gab es ein „authentisches“ Beduinen-Dinner. In der Negev leben knapp 200.000 Beduinen. Ein paar in Zelten, der Rest in Häusern die die Regierung für sie gebaut hat. Einige kommen damit klar und werden sesshaft und etablieren z.B. solche „authentischen“ Beduinen Restaurants in dem wir gegessen haben. Andere kommen mit den festen Wänden einfach nicht klar und leben weiterhin draußen. Ich hab Geschichten gehört in denen Beduinen Kinder von den Dächern ihrer neuen Häuser gefallen sind weil sie mit dem Konzept eines festen Daches, welches einen wirklich trägt, einfach nicht klargekommen sind.

Der letzte Tag hielt den Klassiker Totes Meer parat. Wir waren in einem Toten-Meer-Spa zu Gast. Vom Haupthaus zum Strand muss man seit einigen Jahren einen Shuttle Service in Anspruch nehmen, weil das Tote Meer immer mehr austrocknet. Was vor 20 Jahren noch direkt am Strand lag, ist heute über einen Kilometer davon entfernt. Was dann kam war klar: Tourie-Fotos. Zeitunglesend im Toten Meer und schlammverkrustete Gruppenfotos. Wer die nich hat, hat was verpasst.

Das Spa hatte noch andere Attraktionen aber das Wasser und der Schlamm war so kalt, dass ich mich einfach ne halbe Stunde unter die warme Dusche gestellt habe – Von wegen Schwefelbad – Ha! Auf dem Rückweg haben wir die DVD-Anlage des Busses als Karaoke-Maschine missbraucht. Einige Gesangseinlagen haben Leute dazu gebracht vor Lachen ihre Nudeln durch die Nase wieder nach draußen zu befördern. Es war auf jeden Fall mal wieder sehr amüsant. Auch wenn ich immer Witze über diese Ferienlager Geschichten mache, bin ich doch jedesmal wieder dabei.


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