
Es gibt so ein paar Sachen, so eine Art to-do-Liste, die ich mir für hier vorgenommen hab. Ich war schon so lange nich mehr bei Hertha oder sonst wo im Stadion, und außerdem wollt ich wissen wie israelischer Fußball so ist und wie die Stimmung im Stadion ist. Deshalb war mal in Israel zum Fußball zu gehen einer der Punkte auf der Liste.
Nun ist Tel Aviv an Fußballteams nicht arm, außerdem spielt die Nationalmannschaft im Nationalstadion in Ramat Gan. Das ist mit dem Fahrrad 10 Min von meiner Bude. Das billigste Ticket für ein EM-Quali-Spiel kostete dummerweise 40 Euro also musste ich mich nach anderen Spielen umgucken.
Letzte Woche war dann das Stadtderby der beiden Tel Aviver 1. Liga Clubs. Maccabi Tel Aviv gegen Hapoel Tel Aviv. Ein richtiger Klassiker. Die Situation der beiden Clubs ist wie bei den Bayern und 1860 – sie teilen sich das Stadion. Ein Wochenende spielt Hapoel im Bloomfield Stadium, am nächsten Maccabi. Ansonsten gilt die klassische Rollenverteilung. Maccabi ist der Rekordmeister: 20 Titel – 7 davon im double. Sie kommen regelmäßig recht weit im Uefa-Cup und haben es 2004/2005 in die Championsleague geschafft. Hapoel hingegen ist der typische Arbeiterclub (HaPoel heißt übersetzt: der Arbeiter). Auch 11 nationale Titel, aber international halt nicht auf dem Niveau von Maccabi. Maccabi ist der erfolgreichste Club in Israel, Hapoel der 2. erfolgreichste.
Dieses Jahr hingegen haben beide Clubs die ultimative Seuche an den Hacken. Hier seht ihr die Tabelle vor dem Derby.

Maccabi hatte am Spieltag zuvor den ersten Sieg der Saison eingefahren, Hapoel hingegen hat gegen Tottenham im Uefa-Cup, nur 3 Tage vorher auf die Nase bekommen. Alles in allem die besten Zutaten für ein richtig gutes Spiel.
Wir saßen im Hapoel-Fanblock. Da es ein Derby war haben die Fanclubs, Fahnen gebastelt, Konfetti geschnitten und alles an die Leute verteilt, so dass das halbe Stadion gelb-blau und die andere Hälfte komplett rot war. Schon bevor es losging fingen die Hapoel-Fans an „MILCHAMA – MILCHAMA – MILCHAMA“ zu singen, was übersetzt KRIEG bedeutet.

Das wird lustig - dacht ich mir und rieb mir im Geiste die Hände. Dann der Einlauf der Hapoel-Mannschaft – Ich hab ein Video. Ich schlage vor ihr dreht den Ton runter…
Das Spiel an sich war dann einigermaßen schlecht. Ich hab nicht viel erwartet. Die israelische Liga ist nun mal nicht besonders stark. Es war – wie die Leute schon gesungen haben – Krieg. Viele Fouls, viel rumgestocher, harte Zweikämpfe. Schließlich irgendwann in der 2. Halbzeit ein gestochertes Tor. Die Maccabi-Fans waren der Meinung ihr Torwart hätte den Ball noch vor der Linie gerettet, aber der Ball war wohl hinter der Linie. Jedenfalls kein schönes Tor und dann auch noch das einzige. 1:0 für Hapoel war der Endstand. Gleichzeitig Hapoels erster Sieg in dieser Saison. Danach vor dem Stadion noch ein paar Kloppereien aber nicht wirklich schlimm. Normalerweise ist es wohl nicht so. Am nächsten morgen stand in der Zeitung dass es eins der friedlichsten Derbys aller Zeiten gewesen sei. Oh ha. Sagt sich der unabhängige Beobachter. Die anderen Derbys müssen echt hart gewesen sein. . .