Verfasst von: bastitelaviv | Oktober 28, 2007

Auf der Autobahn Richtung Bagdad

Hochverehrtes Publikum,

Slicha (Entschuldigung) erstmal für die lange Abstinenz, aber wie einige wissen war ich ja ein paar Tage im kalten Deutschland auf Heimaturlaub und konnte deshalb nicht schreiben. Ich kam Montagnacht um 1 hier mit dem Flieger an und morgens um 8 hatte ich mein erstes reguläres Seminar. Schon komisch. Ist ein bisschen so als wär ich mit dem Flugzeug zur Uni geflogen… Wie dem auch sei, jetzt hab ich mich wieder an den Uni-Alltag gewöhnt und kann die letzten Wochen blogmäßig aufarbeiten.

Wie Ich im letzten Eintrag schon erwähnt habe, habe ich die erste Ferienwoche nach dem Hebräischkurs für eine kleine Reise genutzt. Erst wollten wir, d.h. Ben, Felix, Hanna, Kfir, Katharina und meine Wenigkeit, nach Eilat. Das ist der südlichste Zipfel Israels, im Golf von Aqaba am Roten Meer. Montag früh um 8 gings los, 6 Stunden Busfahrt später und 65 Shekel ärmer, kamen wir in Eilat an. Gleich die Zimmer im Hostel bezogen, sehr schön übrigens, sogar mit Swimming Pool,

und dann ans Meer. Leider gibt’s nich so schöne Sandstrände wie in Tel Aviv sondern eher die steinige Variante. Ansonsten ist Eilat halt die typische Touristenhochburg, wie Rimini oder Ibiza. Riesige Hotels, viele Touries, Ramschläden mit T-Shirts, kitschige Muschelfiguren usw.

Das volle Programm. Das war eigentlich eher nich unser Fall. Am Dienstag sind war daher erstmal ein wenig außerhalb von Eilat zum Schnorcheln gefahren. Das war wirklich schön. Bunte Fische und Korallenriffe wohin man auch kam. Allerdings ist das Rote Meer ein paar Grad kälter als die Badewanne Mittelmeer und deshalb mussten wir immer wieder raus und uns aufwärmen, was bei 37 Grad aber erstaunlich schnell geht. Abend sind wir auf der Uferpromenade in ein schönes Restaurant essen gegangen und haben uns hinterher noch umsonst Nachtisch erschwindelt indem wir behauptet haben, Ben hätte Geburtstag. Die Kellner haben sogar gesungen…Hahaha

Am Mittwoch gings dann zur nächsten Station unserer Reise. Petra in Jordanien. Der Grenzübergang nach Jordanien ist genau in Eilat, weswegen wir dorthin nur 5 Min mit dem Taxi gebraucht haben. Dass auf der anderen Seite des Golfs Jordanien liegt, ist schwer zu übersehen, weil die Jordanier eine der höchsten und größten Flaggen der Welt an die Küste gestellt haben, die man kilometerweit sehen kann. Petra liegt gute 2 Stunden Autofahrt von Eilat entfernt, unser Taxifahrer schaffte die Streck in 1 1/2. Die Fahrt kostete 45 jordanische Dinar, und einige Nerven. Der Taxifahrer nahm es nämlich mit den Geschwindigkeitsbegrenzungen nich ganz so genau. Wenn er nich gerade telefonierte hat er uns aber viel über die Gegend erzählt durch die wir gerade fuhren. Zeigte hier und da auf „Sehenswürdigkeiten“ wie z.B. tausende von Lastwagen die auf einem Parkplatz auf die Zollabfertigung warteten. „Die fahren alle nach Bagdad.“ Erklärte er. Wir befanden uns also auf der Autobahn nach Bagdad, dass nur ein paar hundert Kilometer weiter östlich liegt. Schon komisch. Vor allem die befremdlich hohe Zahl Lastwagen deutscher Firmen… Plötzlich hielt er mitten auf der Autobahn an weil er der Meinung war wir müssten unbedingt die Kamele fotografieren die in Jordanien offenbar ebenfalls die Autobahnen für ihre Reisen benutzen. Wir also Foto.

Ein paar Kilometer weiter hielt er wieder mitten auf der Autobahn und meinte wir müssten unbedingt ein besonders farbige Stelle in der Gebirgswand fotografieren in der er und einige andere ihre Namen geritzt hatten. „Here, Aref! Thats my name, here, Aref…“ und so weiter. Wir wieder Foto. Aber irgendwann kamen wir in unserem Hostel in Petra an. Von da gabs einen Shuttleservice ins antike Petra. Der ständig etwas grantelige Hostelchef fuhr uns in seinem Jeep zum Petranationalpark, wo er uns ein paar Stunden später abholen wollte. Wenn wir auch nur 2 Minuten zu spät wären, könnten wir laufen versprach er uns. Dann gings rein nach Petra. Erst durch den Siq

, das ist ein knapp 2 Kilometer langes Tal, von irgendwelchen urzeitlichen Flüssen geformt, was angesichts der endlosen Wüste drumherum echt schwer vorzustellen ist. Aber vor allem war es schön kühl und schattig im Gegensatz zu der Bruthitze draußen. Dramaturgisch perfekt platziert am Ausgang des Siq „steht“ das berühmteste Gebäude Petras „al Khazneh“ bzw. die Schatzkammer, bekannt aus Indiana Jones 3.

Man kann nicht wirklich von „stehen“ sprechen weil das Gebäude ja aus dem Fels gemeißelt wurde. Petra war die Hauptstadt der Nabatäer, ein Nomadenstamm aus Westarabien der um 300 v.Chr. in der Gegend um Petra sesshaft wurde. Die imposanten Bauten im antiken Petra stammen ungefähr aus der Zeit Jesus. Die ganze Stadt erstreckt sich über viele Quadratkilometer. Es dauert eine ganze Weile bis man den höchsten und entferntesten Ausläufer erreicht hat, das Kloster, das ungefähr auf 1350m in den Bergen liegt.

Alle 2m wird man gefragt ob man nicht mit dem Esel oder dem Kamel hinauf will. Alle paar Meter sind Schmuckstände die teilweise „echte“ Nabatäerschmuckstücke oder z.B. alte Münzen für umgerechnet 1 Euro anbieten. „Come look, everything one Dinar, Happy Hour!“ Das geht einem irgendwann tierisch auf die Nerven und hat den Petrabesuch etwas getrübt, war aber dennoch sehr eindrucksvoll.

Abends im Hostel gab es leckeres arabisches Buffet, was besonders reichhaltig ausfiel, weil gerade Ramadan war und die Moslems tagsüber nichts gegessen hatten, wovon auch alle nicht-Moslems profitierten. Am nächsten Morgen ging es schon wieder zurück nach Eilat. Aref, der Taxifahrer, hatte uns am Vortag angeboten uns für nur 30 Dinar statt der üblichen 45 wieder nach Eilat zu bringen. Also nahmen wir eine weitere haarsträubende Rallyefahrt durch die jordanischen Berge inkauf, kamen aber heil am Grenzübergang an.

Seit diesem Trip bin ich wirklich froh über die offenen Grenzen in Europa. Auf der jordanische Seite einmal alles auspacken, wieder einpacken, Fragen stellen lassen Ausreisesteuer bezahlen, auf der israelischen Seite das ganze von vorne…hat bestimmt ne Stunde gedauert bis wir wieder in Israel waren.

Der eigentliche Plan war dann, nach Ägypten, in den Sinai zu fahren, was dann aber an Lust (Grenzstress), Geld und Zeitmangel auf ein anderes Mal verschoben wurde. Wir erwischten noch einen der letzten Busse nach Tel Aviv und kamen abends um 9 in Tel Aviv an. Als ich die ersten vertrauten Hochhäuser von Tel Aviv sah, kam schon so ein bisschen das „Zuhausegefühl“ auf. Schon komisch wie schnell so was gehen kann.


Antworten

  1. Hey du bist ja jetzt fast so ein Abenteuer wie Indiana Jones, oder Dr. Ross Geller. RESPECT
    Muss mal wieder saje dass es sich nach einer Hammer Story anhört. Dass mit den Crazy-Taxifahrern habe ich schon öfters gehört. Naja man muss es halt mal so betrachten: Für sie ist es ne ein ein Situation…kommen sie heil an, werden sie von euch bezahlt…passiert etwas, warten 40 Jungfrauen!
    Um es mit den Worten meines Lieblingsjournalisten zu beschliessen: VERY NICE!!!!

  2. Cool article.
    I hope you’ll comment our page..
    See ya


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