
„Dschungel… schließe die Augen und sag einmal: Dschungel. Allein das Wort verspricht Gefahr, Gefahr mit vielen Beinen und vor allem vielen Zähnen. Doch heißt es auch: wer einmal den Rausch, die Verlockungen des Dschungels gekostet hat, wird die Sehnsucht nach ihm nicht mehr los.“
So oder so ähnlich beginnt Das Dschungelbuch, und so oder so ähnlich hab ich mich gefühlt als ich nach Kairo kam. Kairo ist ein Monster von einer Stadt. Ein Dschungel aus Beton und Tieren aus Metall. 21 Millionen Einwohner und jeder von ihnen scheint ein Auto zu haben mit dem er Jagd auf unschuldige deutsche Touristen macht. Jemand aus unserer Gruppe sagte einmal: „Man muss schon ziemlich bescheuert sein hier Auto zu fahren.“ „Ja“, erwiderte ein anderer „aber noch dümmer müsste man sein hier Roller zu fahren.“ „Genau, oder Fahrrad.“ Und schließlich: „Als Fußgänger ist es ja wohl am schlimmsten.“ Man ist im Verkehr Kairos also nirgends sicher, abgesehen vielleicht in Booten auf dem Nil. Trotzdem kann ich nur jedem empfehlen der für Fußgänger zuständigen Gottheit der Religion seines Vertrauens ein paar Opfergaben darzubringen und sich nach Kairo zu begeben.
Wir hatten schon lange davon geredet unbedingt noch nach Kairo zu fahren bevor viele wieder in ihre Heimatländer zurück müssten, sind dann aber erst recht kurzentschlossen Anfang Januar aufgebrochen. Erst wollten nur Hadas und Ich fahren, aber nach und nach schlossen sich immer mehr Leute an bis wir zu Acht waren: Hadas, Jurek, Miriam, Hanna, Ben, Jonathan, Katharina und Ich. Um 8 bestiegen wir den Bus Richtung ägyptischer Grenze um uns gute 6 Stunden später in den Grenzverkehr zu stürzen. Wir Schengen-Verwöhnte Mitteleuropäer sind sowas ja gar nicht mehr gewohnt und Grenzen in Israel sind sowieso ne Sache für sich. Es hieß man bekäme direkt an der Grenze ein Touristenvisum. Leider gilt das nur für den Sinai. Möchte man weiter, z.B. nach Kairo, braucht man ein Visum von der Botschaft in Eilat. Wir hätten es nie geschafft ein Visum zu organisieren und rechtzeitig für den letzten Bus Richtung Kairo wieder an der Grenze zu sein. Gott sei Dank gibt es in Ägypten kaum Grenzen, wenn man die richtige Person bestechen kann. Es gibt da nämlich ein Hintertürchen: Im Rahmen einer organisierten Gruppenreise können Visen doch direkt an der Grenze erworben werden. Außerdem gibt einen schlauen Burschen der „improvisierte“ (gefälscht ist so ein hässliches Wort) Reisegruppenpläne und Bescheinigungen ausstellt. Für mehr als den doppelten Preis bekamen wir dann doch noch unser Visum. Das mit dem Bus hatte sich dann auch erledigt als wir feststellten dass das Großraumtaxi nur 2 Euro mehr kostete. Nachts um 11, nach 15 Stunden auf den Straßen, die in Ägypten wirklich nur mit sehr viel guten Willen als solche bezeichnet werden können, kamen wir endlich im Hostel an. Das Invitation Hostel mitten im Herzen von Kairo. Ich hätte Stunden damit verbringen können immer nur auf den Verkehr hinunterzuschauen. Die Leute fahren in den abenteuerlichsten Klapperkisten durch die Gegend, die meisten ohne Licht. Oh, nicht dass sie keines hätten…Sie machen es nur nie an oder haben es durch winzige blaue LED-Leuchten ersetzt, die keinen Meter Reichweite haben. Außerdem hängen sich die Leute außen an Autos wenn drinnen kein Platz mehr ist oder fahren zu dritt oder zu viert auf Rollern umher.

Aber es war ein anstrengender Tag und gleich am nächsten Morgen wollten wir zu den Pyramiden. Wunderbarerweise ist Kairo sehr billig also konnten wir uns einen eigenen Bus mit Fahrer mieten der uns den ganzen Tag über zu sämtlichen Pyramiden in Kairo bringen würde. Den Anfang machte die Rote Pyramide von Dashur.

Sie stammt noch aus der Zeit vor den drei Großen in Gizeh und war die einzige in die wir auch direkt hinein konnten. Zuerst muss man knapp 30 Meter außen an der Pyramide hoch, bis man zum Einstiegsloch kommt.

Dahinter liegt ein 1×1 Meter gang der 60 Meter in die Tiefe führt. Beleuchtung? Eine Lampe alle 10 Meter schien den Leuten ausreichend…Ist es aber nicht.

Außerdem geht’s dieselbe Strecke auch wieder hoch, und wenn man selbst für sich keinen Platz hat und die Hand nicht vor Augen sieht, kommt es mitunter zu unfreiwilligen Kollisionen mit Japanern. Konichiwa! Unten angekommen, in der ersten Grabkammer mag man lieber vergessen dass knapp Millionen Tonnen Steine über einem sind, die machen nämlich nach viereinhalb tausend Jahren nicht mehr den stabilsten Eindruck. Nach 2 knarrenden Holztreppchen hat man die Königskammer erreicht. Die Vorstellung vom Alter dieser Pyramide und der Tatsache dass dieser Anblick eigentlich niemandem außer dem Pharao mehr vergönnt sein sollte, macht aus einem leeren Raum mit eine paar kaputten Steinen doch ein Erlebnis mit Gänsehautpotenzial. Weiter gings zur Stufenpyramide von Stararchitekt Imothep um dann schließlich zum Highlight Gizeh zu fahren.

Auf dem Weg dahin machten wir noch Halt im „Papyrusmuseum“. Hier wurde uns kurz das Herstellungsverfahren erklärt um uns dann in den Shop zu führen der ca. 99 % der Museumsfläche ausmacht. Touriefalle wie sie im Buche steht, aber naja. Dann die Pyramiden. Am erstaunlichsten ist zu sehen wie nah die Stadt mittlerweile an die Pyramiden gerückt ist. Ben hat es hinbekommen 2x Eintritt zu zahlen weil er sein Ticket auf den 10 Metern zwischen Tickethäuschen und Eingang verloren hat. Unfassbar. Die großen Pyramiden sind tatsächlich noch ein bisschen überwältigender als die „kleinen“ die wir an diesem Tag schon gesehen hatten.

Unvermeidbar: Die Kameltreiber die sich mit Reitangeboten aufdrängen. „Want to ride the camel? Very cheap. Is Happy Hour.“ Ne is klar. Man kann übrigens in alle Pyramiden hineingehen. Allerdings werden dafür, nach ägyptischen Verhältnissen, saftige zusätzliche Eintrittsgelder verlangt. Die Sphinx war dann ein bisschen enttäuschend klein aber dennoch ein Muss.

Das war alles ganz schön viel für den ersten Tag daher waren wir froh in Gizeh wieder unseren kleinen Bus besteigen zu können und Richtung Hostel abzudampfen. Der Fahrer war wohl auch schon Müde.

Das hier ist unser Bus nachdem der Fahrer volle Möhre in den Laster vor uns gekracht ist. Wir waren alle nicht angeschnallt aber Gott sei Dank ist außer ein bisschen Kopfschmerzen nichts passiert. Das war also der erste Tag. Die übrigen Tage folgen bald. Versprochen.